Porträts

Wertheimer Zeitung vom 30.08.2013 (Matthias Schätte)

Ulrike Quoos – „Preußisch-liberal erzogen“

Bundestagswahl: Ulrike Quoos (FDP) will für den Wahlkreis Odenwald-Tauber ins Berliner Parlament einziehen.

Bundestagswahl Gegen seinen ehemaligen Lehrer bei einer Bundestagswahl anzutreten, kann nicht jeder von sich behaupten. Ulrike Quoos schon: Herbert Alexander Gebhardt, Kandidat der Ökologisch-Demokratischen Partei, unterrichtete einst die heute 39 Jahre alte FDP-Kandidatin am Ganztagesgymnasium in Osterburken. Nun stehen beide in Konkurrenz um Wählerstimmen.

»Ich bin preußisch-liberal erzogen«, sagt Quoos. »Meine Mutter ist Ostpreußin, mein Vater aus dem Ruhrpott.« Ihre Freiheitsliebe habe sie 2009 zur FDP geführt. Sie legt allerdings Wert darauf, noch vor der Bundestagswahl ihren Mitgliedsantrag gestellt zu haben – nicht wie viele andere Neumitglieder erst nach dem guten Abschneiden der Liberalen. Mit zweistelligen Prozentzahlen ist es erst einmal vorbei, weiß auch Quoos: »Ein früherer Arbeitskollege hat mich aufgezogen: ›FDP – fast drei Prozent.‹ Ich würde lügen, wenn ich sage, dass das nicht weh tut.« Sie sieht die vergangenen vier Jahre als »Säuberung« der Partei an: »Diejenigen, die dabeigeblieben sind, als wir zwei Prozent in den Umfragen hatten, sind die wahren Liberalen. Nicht diejenigen, die 2009 eingetreten und in schlechten Zeiten wieder ausgetreten sind.«

Doch Quoos will nach vorne schauen, sich nicht mit der Vergangenheit aufhalten. Das liegt auch in ihrer Biografie begründet: Sie studierte erst drei Jahre Forstwissenschaft, bevor sie sich für ein Studium im Wirtschaftsingenieurwesen entschied. Neben ihren Parteiämtern hat Quoos Arbeitssuchende beraten, nun arbeitet sie als Dozentin an der Dualen Hochschule Mosbach und ist ehrenamtlich als Kirchengemeinderätin tätig. »Sich zwischen diesen Welten zurecht zu finden, ist auf der einen Seite nicht einfach, auf der anderen Seite eine Herausforderung – und das macht Spaß«, sagt die 39-Jährige.

Quoos macht nicht den Eindruck einer Lautsprecherin, beobachtet zunächst aus dem Hintergrund, während die FDP-Landtagsabgeordneten Friedrich Bullinger (Baden-Württemberg) und Karsten Klein (Bayern) mit dem Dertinger Ortschaftsrat am vergangenen Dienstag über den A3-Ausbau diskutieren. Quoos macht sich ihr Bild eher im Einzelgespräch.
Eine ihrer Schwerpunkte liegt auf der Bildungspolitik: »Menschen sollen aus eigener Kraft den Aufstieg schaffen und dabei andere mitnehmen.« Für jeden Einzelnen gehe es um Freiheit und Eigenverantwortung. »Man muss wissen: Wer bin ich, was kann ich, was will ich?«
Ein weiteres großes Thema ist für sie der ländliche Raum. »›Regionalität stärken‹ ist mein Motto«, sagt Quoos, die Wert auf gute Infrastruktur legt, um Unternehmen eine Ansiedlung zu ermöglichen, Arbeitsplätze zu schaffen und damit Landflucht zu begegnen. Was sie stört, ist die Langwierigkeit von Infrastrukturmaßnahmen: »Bis die Genehmigungsverfahren durch sind, ist wieder ein Dorf ausgestorben.« Auch der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gehört für sie zur Förderung des ländlichen Raums. Die laufende Energiewende möchte sie weiter vorantreiben, aber: »Es muss praktikabel und bezahlbar sein.«

Von ihrer Nominierung als Direktkandidatin sei sie überrascht gewesen, sagt Quoos, die ihre Chance auf ein Direktmandat als gering ansieht: »Aber wenn ich sage, ich will etwas bewegen, sollte man die Chance ergreifen und nicht nur reden, sondern auch tun.« Matthias Schätte

Naturverbunden: »Ich bin gern draußen im Grünen«, sagt FDP-Direktkandidatin Ulrike Quoos – und sucht sich für ihr Porträtfoto den Dertinger Mandelberg als Hintergrund aus. Foto: M. Schätte